Gastkommentar

Trotz Krieg: Golfregion bleibt Innovationsmotor

Während neben dem Iran-Krieg der Ölpreis die Schlagzeilen dominiert, sollte die langfristig relevantere Frage sein, wie die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Golf-Region weiterläuft, meint Börsianer-Gastautor Berthold Baurek-Karlic.

Veröffentlicht

16.03.2026

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3 min
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Flugtaxi Scheich
© APA-Images / AP / Kamran Jebreili
Flugtaxi in Dubai. Der Golfraum ist innovativ.
Fakt
Übersicht

· Golfregion bleibt trotz Konflikten eine dynamische Wachstumsregion

· Hohe Nachfrage nach europäischen Technologien und Talenten

· Defense, Cybersecurity und Industrial Deep Tech gewinnen an Bedeutung

· Energiepreise bleiben wichtigster indirekter Einfluss auf Österreich

· Vertrauen ist entscheidend für langfristige Investments aus der Golfregion

· VAE und Saudi-Arabien punkten mit Geschwindigkeit, Sicherheit und unternehmerischer Mentalität

· Europa muss Energieunabhängigkeit strategisch vorantreiben

Der Ausbruch des Iran-Krieges sorgt international für Unsicherheit. Gleichzeitig zeigt sich im Nahen Osten eine bemerkenswerte wirtschaftliche Resilienz. Die Stimmung unter unseren Partnern in der Golfregion ist überraschend ruhig und pragmatisch. Viele unserer Kontakte aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Saudi-Arabien oder Katar beobachten die Situation aufmerksam, ohne jedoch ihre langfristigen wirtschaftlichen Ambitionen infrage zu stellen. Diese Länder sind es auch, die durch ihre Effizienz und ihr innovatives Mindset immer mehr österreichische Unternehmen anziehen.

Die Region stellt sich breiter auf, um sich aus der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu lösen. VAE und Saudi-Arabien gehören zu den wichtigsten Kapitalgebern im globalen Venture-Capital-Ökosystem und sind dabei komplementäre Wachstumsmotoren: Die VAE entwickeln sich zum Late-Stage-Hub, Saudi-Arabien investiert in Frühphasen und Infrastruktur. Klar ist auch: Nirgends ist das Interesse an europäischen Technologien und Talenten so groß wie im Nahen Osten.

Seit acht Jahren aktiv

Gerade deshalb planen wir aktuell die Errichtung eines Büros in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Seit fast acht Jahren arbeiten wir intensiv mit Partnern und Investoren aus der Region zusammen. Dabei unterstützen wir einerseits europäische Unternehmen beim Markteintritt in diese Wachstumsregion und begleiten andererseits Investoren aus der Region bei Investments in Europa.

Der Krieg zeigt jedoch, wie stark geopolitische Entwicklungen wirtschaftliche Prioritäten verschieben können. Während bestimmende Themen wie Nachhaltigkeit kurzfristig in den Hintergrund treten, erleben Bereiche wie Defense, Cybersecurity oder Industrial Deep Tech aktuell eine steigende Nachfrage. Für Österreich bleibt entscheidend, wirtschaftliche Partnerschaften in die Golfregion zu vertiefen und gleichzeitig an der eigenen Energieunabhängigkeit zu arbeiten. Denn geopolitische Spannungen werden auch künftig die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Österreich mitbestimmen. Vor mehr als acht Jahren ist unsere LXP (Learning Experience Plattform) courseticket.com erfolgreich nach Saudi-Arabien expandiert, diese Kooperation ist bis heute eine sehr starke und erfolgreiche: Kunden sind etwa die Wirtschaftskammer von Riad (Riyadh), die Anwaltskammer, und andere große Bildungsanbieter. Wir arbeiten sehr eng mit einem Softwaredienstleister rund um den Ausschreibungsmarkt zusammen (gestartet in VAE), der mehr Transparenz in die Baubranche bringt und großes Potenzial für Expansion in der Golfregion, aber auch in Europa, den USA und LATAM hat.

Elektrische und andere Senkrechtstarter

Am spannendsten finde ich den EVTOL-Markt um elektrisch angetriebene Senkrechtstarter – als Berater begleiten wir mit Flynow aus Salzburg ein Unternehmen, das mit seiner Technologie in der Golfregion (insbesondere Saudi-Arabien) bereits sehr etabliert ist und wo wir großes Potenzial für Flugtaxis ab dem Jahr 2030 erahnen – da die Regulatorik hier gute Fortschritte macht. PlanRadar aus Österreich ist ein weiteres gutes Beispiel, welches zeigt, dass man in der Region gerade in der Baubranche sehr affin für Digitalisierung ist – hier ist Venionaire nicht investiert, aber wir kennen die Gründer und verfolgen die Erfolgsgeschichte in aller Freundschaft. Zu guter Letzt hat sich mit KOUN Technologies (eine Beteiligung von uns) ein Low-Altitude-Economy-Anbieter aus Österreich ebenfalls kürzlich in Saudi-Arabien angesiedelt, da man hier erwartet, Online-Shop-Bestellungen deutlich früher als in Europa per Drohnen ausliefern zu dürfen.

Berthold Baurek-Karlic

Autor

Berthold Baurek-Karlic

Vorstandsvorsitzender der Venionaire Capital AG

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